multimedia / performance

anmerkungen zu einigen multimedia-performances

tape & scratch

die zusammenarbeit mit daniel wenk führte zu einer reihe von multimedia-performances, die als singuläre konzepte immer auf den jeweiligen aufführungsort bezogen waren und nur einmal live aufgeführt wurden.

konstanten in dieser serie sind transparente klebebänder, welche nach einer einfachen und absolut streng durchgehaltenen regel im raum verlegt werden, sowie präpariertes klavier als musikalische timeline. kassettenrekorder nehmen während der aufführung akustische fragmente auf bandschleifen auf, die im verlauf wieder zugespielt werden. sowohl klebebänder als auch kassettenrekorder werden in doppelfunktion als einerseits ästhetische objekte, andererseits als klanggeber eingesetzt.

in der leipziger performance wurden 5 parallele streifen als gerade linien durch den ganzen raum verlegt, welche ohne abweichung über einen flügel und unter dem klavierstuhl hindurchgingen, während ich spielte.

die hindernisse zwingen zu 3-dimensionalen umwegen. auf einer live-projektion des flügelinnenraums konnte das publikum die zunehmende präparation der klaviersaiten verfolgen, während gleichzeitig immer mehr live-klebeband-aufnahmen auf endloskassetten im ganzen raum verteilt wurden.

deinstallation

ein klebebandstreifen wird vor der aufführung durch ein gebäude, über treppen, auf verschiedenem untergrund verlegt. bei der performance wird er wieder vom boden abgezogen und komplett entfernt, dabei entstehen unterschiedliche geräusche, die gleichzeitig mit kassettenrekordern aufgenommen werden und entlang des parcours zurückbleiben.

bei der münchner deinstallation mit pong wurde der streifen als zickzackmuster verlegt, das analog zu dem computerspiel pong von den wänden reflektiert wird. die aufnahmesequenzen folgen streng diesem ballprinzip: eine erste aufnahme wird so oft zwischen 2 rekordern hin und her überspielt („ping – pong“), bis sich die klänge des anfangs völlig verändert haben.

po_ol

ein 30cm breiter klebestreifen wurde als gerade linie quer durch eine schwimmhalle und das leere becken verlegt, zielpunkt war der flügel. an der performance war zusätzlich noch ein weiterer musiker beteiligt, der sich mit violine synchron zum klebestreifen im raum bewegte.

hier diente die bewegung des klebestreifens zwischen verschiedenen raumpunkten als zeitgeber für die timeline, um musik und die übrigen abläufe zu synchronisieren.  kassettenrekorder setzten punktuelle akzente mit einzelklängen aus der performance.

klang-zeichnung und musik

in dieser serie entstanden bisher COMIC-OPERA und SCHWARZWEISS. hier werden musiker mit einem live-zeichner kombiniert und die möglichen zusammenhänge von bild und ton auf verschiedenste weise thematisiert: die entstehenden zeichnungen sind per videoprojektion zu sehen, die dabei erzeugten geräusche des stifts werden verstärkt und quasi als tonspur des videos wiedergegeben. die teilweise frei improvisierte musik steht hier kommentierend dem bild oder integrierend den zeichengeräuschen gegenüber.

in COMIC-OPERA mit ensemble chronophonie entsteht ein abstrakter comic:  die typischen elemente des genres wie zb. sprechblasen sind selbst die protagonisten, anstelle einer narrativen handlung steht die mehrdeutigkeit des zeichensystems als musikalische notation.

SCHWARZWEISS mit duo contour ist ähnlich konzipiert, jedoch werden anstelle von  comix die spontanen beiträge des publikums verwendet und nach bestimmten kriterien überzeichnet oder weitergeführt. der wesentliche unterschied beruht auf der mitwirkung des publikums, welcher die ausführenden zwingt, auf völlig unvorhersehbares zeichnerisch und musikalisch zu reagieren und innerhalb eines konzeptuellen rahmens zu improvisieren.

ALPHORNDUETT mit bandechos (2008)

freiluftmusik für 2 alphornisten, 5 kassettenrekorder und spielzeuginstrumente

die beiden alphornisten stehen sich im abstand von 100m gegenüber, entscheidend für das musikalische resultat sind die erheblichen laufzeitunterschiede des schalls je nach standpunkt des zuhörers. der abstand zwischen ihnen wird langsam von einer  3. person durchschritten, die mit kassettenrekordern kurze aufnahmen macht und klangobjekte betätigt. die aufnahmen auf bandschleifen sind zunehmend als extrem verzögerte echos zu hören.

mögen Sie musik? (geschmackssache) UA 2005

für einen ausführenden mit 3 kassettenrekordern und einen mitwirkenden zuhörer

diese performance für einen mitwirkenden zuhörer wurde für das festival „unter 4 ohren“ komponiert, wo stücke nur für jeweils einen einzelnen zuhörer aufgeführt wurden.

hier geht es um die veränderten rezeptionsformen von musik in der zeit des massenhaften archivierens und dauerhörens. kauf- und hörentscheidungen müssen schnell gefällt werden, welchem komponisten gibt man ein längeres, wertvolles stück lebenszeit ab?

ausgangssituation ist ein hörtest, bei welchem der zuhörer als testperson aus einer unbegrenzten anzahl von kurzen musikausschnitten aller genres individuell nach den kriterien „gut“ oder „schlecht“ aussortieren darf. die hörbeispiele sind auf kassetten, welche vom versuchsleiter je nach angabe des zuhörers in zwei kartons „gut“ oder „schlecht“ geworfen werden. in weiteren runden werden die „guten“ wieder in kartons „besser“ oder „schlechter“ sortiert usw. – der zuhörer übernimmt dadurch die funktion des dirigenten.

die performance, das dauerhören und bewerten von schnipseln, wird gleichzeitig mit aufnahmen dokumentiert und diese auf einer einzigen kassette überlagert. am ende bekommt die testperson „ihre“ kassette als individuelles geschmacksdestillat ausgehändigt, auf ihr sind alle gut bewerteten musiken gleichzeitig  übereinander aufgenommen.

da die GEMA prinzipiell für jedes sample verwendungsgenehmigungen und gebühren verlangt, ist dieses stück nur illegal aufführbar. (vgl. den fall kreidler – GEMA 2008)

coffee and cigarettes (2003)

musikalisches objekttheater für selbstspielklavier (8 min.)

musik für automaten weckt zwiespältige gefühle: hier wurde der mensch überflüssig, wie oft in der technologischen entwicklung. dies macht jedoch sinn, wenn er nicht selbst in der lage ist, die komplizierten operationen auszuführen, die beabsichtigt sind – um beispielsweise noch tassen mit den klaviertasten anzuschlagen oder löffel auf der tastatur wandern zu lassen.

ein selbstspielendes klavier wird weniger als musikinstrument im engeren sinne wahrgenommen, man hat kaum respekt vor den musikalischen leistungen einer maschine und reagiert stärker auf zusätzliche visuelle reize des tastentheaters.

coffee & cigarettes benutzt mendelssohns venezianisches gondellied als untergrund einer geräuschkomposition, die von kaffeegeschirr auf den selbstspielenden tasten hervorgebracht wird. melodische figuren verlieren ihren musikalischen sinn und bringen stattdessen löffel dazu, auf der tastatur herumzuwandern oder herabzufallen.

die komposition thematisiert die problematik der menschähnlichen maschine, welche kunst produzieren soll: klavierspielen im café, einer für hochspezialisiertes hören ungeeigneten umgebung, musik als nebenbei, welche hier jedoch die störenden umgebungsgeräusche aufnimmt und zur hauptsache werden läßt. das gondellied bleibt gut erkennbar, wurde aber mittels schräger modulationen, merkwürdiger agogik und improvisatorischer einwürfe so bearbeitet, dass die geräusche der tassen und aschenbecher auf den tasten und pedalen als eigenständige klangschicht hervortreten.

coffee & cigarettes ist vom gleichnamigen film von jim jarmusch inspiriert und wurde für die aufführung in einem italienischen eiscafé komponiert.

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