FOB [five obstructions] record notes

anmerkungen zur aufnahme mit duo contour / stephen altoft (19telton-trp.), lee ferguson (vibraphon, percussion) und thomas wenk (präpariertes klavier, kassettenrekorder):

diese konzepte verlangen von den spielern, sich einschränkungen oder behinderungen ihrer gewohnten möglichkeiten zu unterwerfen. ebenso wie sich dem blinden ein größeres akustisches potential erschließt, sollen durch beschränkung des musikers reflexhafte gewohnheiten bei der improvisation unterbunden und dadurch neue möglichkeiten seines persönlichen ausdrucks eröffnet werden – jedoch ohne ihm diese im einzelnen vorzugeben. außerdem beeinhalten die konzepte eine soziale komponente – wie nämlich kommunikation und musikalische umgangsformen zwischen “behinderten” und “nichtbehinderten” spielern geregelt werden.

nr. 1 nie zusammen -

versetzt die spieler zunächst in einen maximal freien zustand, frei aller bindungen und beschränkungen, es soll jedoch musikalisch kommuniziert werden.
nie zusammen – kann prinzipiell auf alle klanglichen mittel angewandt werden, welche in zusammenhang stehen, wie zb. gemeinsame einsätze, pausen, tonalität, tempo. wenn zusammen – als gemeinsames tun verstanden wird, erfordert es tatsächlich ein hohes maß an kommunikation um nichts gemeinsam zu tun.
um diesen zustand musikalisch abzubilden, unternimmt das ensemble dieser aufnahme den unrealistischen versuch, aus dem improvisierten moment alles zusammen zu spielen – und trifft daher meistens knapp aneinander vorbei.

nr.2 nur einen ton

eröffnet die serie der einschränkungen mit einem handicap nur für einen spieler.
nur einen ton zu spielen eröffnet zahllose möglichkeiten, diesen „ton“ zb. klanglich zu differenzieren oder die mikrotonalen grenzen seiner tonhöhe zu explorieren. außerdem führt die strikte einhaltung dieser beschränkung zu unauflöslichen widersprüchen: darf der „ton“ zb. nur „einmal“ klingen? da dieses handicap nur einen spieler betrifft, kommt diesem ton / dieser aktion eine herausragende position im klanglichen kontext zu, die anderen spieler können dies auf verschiedenste weise zu berücksichtigen (oder zu verhindern) versuchen.
hier wurden 2 versionen realisiert: 2a) schlagzeug spielt nur ein instrument, einmal, mit einem einzigen schlag, den trp/klv. in ihrem etwas geschwätzigen duett in jedem moment erwarten. 2b) klv. spielt nur eine mit bogenhaar gestrichene saite.

nr. 3 erteile ein verbot

kann im sinne des titelgebenden films (five obstructions von jorgen leth/lars von trier 2004) durchaus ein geschenk an die betreffenden spieler sein… sie beispielsweise dazu bringen, anstelle der gewohnten vorlieben neue musikalische wege einzuschlagen.
in dieser version ist der vibraphonist mit einer hand an einen permanent zu streichenden dauerton gefesselt, die trp. wird mit herausgenommenen zügen gespielt, durch welche der ton nur schwer kontrollierbar entweicht.

nr.4 mit oder ohne–

eröffnet unbeschränkte möglichkeiten, die mitspieler ungewohnten situationen auszusetzen: mit bestimmtem material zu improvisieren, ohne die anderen zu sehen (hören), mit einer hand in der hosentasche, ohne intervalle abwärts zu spielen (…)
hier ist dem pianisten ein arm spastisch gefesselt, der perkussionist muß beständig wasser umfüllen, 19tel-trp. muß in temperierter diatonik spielen.

nr. 5 machs nochmal (keine wiederholung)

die vorschrift, bei einer zu beginn gewählten musikalische aussage bis zum ende bleiben zu müssen, schränkt für improvisierende musiker viele möglichkeiten ein, auf die mitspieler reagieren zu können. stattdessen rücken nuancierungen des materials als kommunikation in den vordergrund.
keine wiederholung führt außerdem zur notwendigkeit, sich ständig des kerns der eigenen aussage bewußt zu sein, um z.b. variationen zu erfinden, und dabei gleichzeitig den gemeinsamen musikalischen fluß zu verfolgen.
in dieser version werden statt klavier kassettenrekorder eingesetzt, um die mitspieler aufzunehmen und fragmente klangmanipuliert zu wiederholen.

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