FOB [five obstructions] konzept

fob cover ind2fünf einschränkungen / handicap – music  (thwenk 2010)
improvisationskonzepte für 2 oder mehr spieler (nicht unbedingt nur mit musikinstrumenten)

1 never together –/ nie zusammen

handicap für alle spieler.

2 only one note / nur ein ton

handicap als vorschrift nur für einen spieler.
mehrere versionen mit anderen spielern sind möglich.

3 give an obstruction / erteile ein verbot

handicap als einschränkung oder verbot nur für einen/ einen teil der spieler. mehrere versionen mit verschiedenen verboten/spielern sind möglich.

4 with or without — / mit oder ohne

die handicaps werden für jeden spieler von einem anderen individuell festgelegt, sie fordern oder verbieten bestimmte aktionen oder klangmöglichkeiten.

5 do it again (no repetition) / machs nochmal (keine wiederholung)

handicap für alle spieler: eine zu beginn von jedem spieler individuell gewählte, nicht abgesprochene musikalische aussage muß bis zum ende beibehalten werden, ohne jedoch einfach wiederholt zu werden.

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verbote oder einschränkungen können die spieler anregen, ihr musikalisches material innerhalb der gegebenen grenzen möglichst weit zu entwickeln und auszudehnen, die grenzen zu thematisieren oder kreativ zu umgehen.  weitere gestalterische möglichkeiten eröffnen sich, sobald die ausführenden selbst einschränkungen für ihre mitspieler erfinden und sich damit auf kompositorischer ebene bewegen.

trotz aller „behinderungen“ ist das ziel der konzepte, gemeinsam zu kommunizieren und  musik entstehen zu lassen. dies schließt auch alles während der performance sichtbare mit ein, was nicht unbedingt mit tonerzeugung verbunden sein muß.

bei der aufführung sollten nur die titel, keinesfalls die konkreten einschränkungen vorher benannt oder im programm erwähnt werden. die reihenfolge sollte nicht ohne zwingenden grund verändert werden, mehrfachversionen können direkt aufeinander folgend oder als komplette weitere folge 1 – 5  aufgeführt werden.

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anmerkungen, nicht als vorschriften mißzuverstehen:

1   nie zusammen –

kann prinzipiell auf alle klanglichen mittel angewandt werden, welche in zusammenhang stehen, wie zb. gemeinsame einsätze, pausen, tonalität, tempo.  zusammen läßt sich ebenso als gemeinsames tun verstehen, es erfordert daher ein hohes maß an kommunikation um nichts gemeinsam zu tun.

2 nur einen ton

zu spielen eröffnet zahllose möglichkeiten, diesen „ton“ klanglich zu differenzieren oder auch die mikrotonalen grenzen seiner tonhöhe zu explorieren. außerdem führt die strikte einhaltung dieser beschränkung zu unauflöslichen widersprüchen: darf der „ton“ nur „einmal“ klingen? da dieses handicap nur einen spieler betrifft, kommt diesem ton / dieser aktion eine herausragende position im klanglichen kontext zu, die anderen spieler können dies auf verschiedenste weise zu berücksichtigen (oder zu verhindern) versuchen.

3 erteile ein verbot

kann im sinne des titelgebenden films (five obstructions von jorgen leth/lars von trier 2004) durchaus ein geschenk an den/die betreffenden spieler sein… ihn/sie beispielsweise dazu bringen, anstelle der gewohnten vorlieben neue musikalische wege einzuschlagen.

4 mit oder ohne–

eröffnet unbeschränkte möglichkeiten, die mitspieler ungewohnten situationen auszusetzen: mit bestimmtem material zu improvisieren, ohne die anderen zu sehen (hören), mit einer hand in der hosentasche, ohne intervalle abwärts zu spielen (…).

5 machs nochmal (keine wiederholung)

die vorschrift, bei einer zu beginn gewählten musikalische aussage bis zum ende bleiben zu müssen, schränkt für improvisierende musiker viele möglichkeiten ein, auf die mitspieler reagieren zu können. stattdessen rücken nuancierungen des materials als kommunikation in den vordergrund.

keine wiederholung führt außerdem zur notwendigkeit, sich ständig des kerns der eigenen aussage bewußt zu sein, um z.b. variationen zu erfinden, und dabei gleichzeitig den gemeinsamen musikalischen fluß zu verfolgen.

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